La Table Suisse

Mit einem erfundenen Restaurant, das Haustiere auf der Speisekarte hat, provoziert der Vegetarierbund eine hitzige Diskussion

La Table Suisse
 

Mit einem erfundenen Restaurant, das Haustiere auf der Speisekarte hat, provoziert der Vegetarierbund eine hitzige Diskussion im Netz

Weltweit werden jährlich über 60 Milliarden Nutztiere für den Verzehr getötet. Selbst Menschen, die sich selbst als Tierfreunde bezeichnen würden, konsumieren Fleisch und leugnen damit eine simple Tatsache: Fleischessen heißt Tiere töten. Ziel des Vegetarierbunds Deutschland und des Netzwerks Beyond Carnism war es deshalb, Menschen für ihr widersprüchliches Verhalten gegenüber Tieren zu sensibilisieren und zum Umdenken zu bewegen.

 

Ein Restaurant mit Haustieren auf der Speisekarte

Der Verzehr von Hunde- und Katzenfleisch hat in der Schweiz eine lange Tradition. Also eröffneten wir das erste Schweizer Restaurant, das Katzen- und Hundefleischgerichte auf der Karte anbot: „La Table Suisse.“

Das Herz der Kampagne war ein Imagefilm, in dem ein junger Schweizer Koch sich und seine Arbeit vorstellt. Spezialität des Hauses ist die Neuinterpretation eines Rezeptes seiner Großmutter: Der „Büsirücken“ – Katzenrücken.

Der Film wurde auf YouTube geschaltet und verwies auf die Restauranthomepage, auf der man sich über die Philosophie sowie das Menü von La Table informieren und sogar einen Platz reservieren konnte. Auch auf Facebook war das Restaurant vertreten. Hier berichtete der Koch über aktuelle Neuigkeiten und stellte sich den Fragen der irritierten und empörten Netzgemeinde. Denn was niemand wissen konnte: La Table existierte nur im Internet. Die Verknüpfung des Films mit weiteren digitalen Auftritten genügte, um das Restaurant real erscheinen zu lassen.

Vegetarisch lebende Influencer wie Moby und Miley Cyrus halfen uns, das Video im Netz zu verbreiten – die Menschen waren schockiert. Binnen weniger Tage wurde die Facebookseite des Restaurants mit Kommentaren überflutet. Neben reinen Schock- und Hassäußerungen entspann sich eine hitzige Diskussion um die entscheidende Frage: Warum hält die Mehrheit der Menschen es für selbstverständlich, Nutztiere zu verspeisen, während die pure Existenz eines Restaurants mit Haustieren auf der Speisekarte einen solchen Aufschrei auslöst?

Als die Empörung ihren Höhepunkt erreicht hatte, ließen wir die Katze aus dem Sack: La Table Suisse hatte es nie gegeben. Die frühere URL der Restaurant-Homepage führte nun zu einer Seite, auf der der Vegetarierbund Deutschland und Beyond Carnism sich zu der Aktion bekannten.

 

Internationale Aufmerksamkeit – ohne erhobenen Zeigefinger

In 25 Ländern berichteten die Medien über das „Haustierrestaurant“, internationale Tierschutzorganisationen lobten das Projekt. Insgesamt wurden mit der Aktion zehn Millionen Menschen auf vier Kontinenten – und damit auch das Ziel unserer Kampagne – erreicht. Wir haben den Menschen unsere Botschaft ohne erhobenen Zeigefinger und dennoch mit drastischen Mitteln vermittelt. Das macht diese Aktion, gerade in Zeiten von Online-Shitstorms,  zu einer mutigen Kampagne. Die Tatsache, dass wir das Restaurant im Internet täuschend echt inszeniert haben und die Menschen so über einen längeren Zeitraum in Atem hielten, sicherte dem Vebu nicht erst zum Zeitpunkt der Auflösung international Aufmerksamkeit.